Home  |  Sitemap  | Kontakt  |  Impressum  |  Datenschutz

...ein starkes Team auf Ihrer Seite!

Sonderproblem MRSA

Eine Aufklärung über die Quote von Infektionen mit MRSA war bisher nicht Gegenstand richterlicher Entscheidungen

Ob und inwieweit eine Aufklärung über die Quote von Infektionen mit MRSA dort erfolgen muss, wo größere und offene Wunden behandelt werden, damit der Patient sich gegebenenfalls für eine andere Klinik entscheiden kann, ist umstritten und war bisher, soweit bekannt, nicht Gegenstand gerichtlicher Auseinandersetzungen.

Die mangelnde Befunderhebung in Form eines nicht durchgeführten MRSA-Screenings (das vom Robert-Koch-Institut empfohlen wird) dürfte zumindest bei Risikopatienten einen Fehler darstellen.
Denn es sind die Grundsätze zur Haftung von Kliniken wegen Organisationsfehlern (§§ 823, 831,840 BGB) anzuwenden, da Hygienestandards zwingend einzuhalten sind.

Die Dokumentationspflicht von gehäuft auftretenden MRSA-Infektionen ergibt sich aus § 6 III IfSchG und § 23 I ISchG bei Krankenhäusern, in denen ambulant operiert wird.

Hygiene und multiresistente Keime

Hygienefehler

Hygiene gilt nach der Rechtsprechung inzwischen grundsätzlich zu den beherrschbaren Risiken in Arztpraxis und Krankenhaus.

Hygienefehler bewirken im Schadensfall eine Umkehr der Beweislast, wonach die Krankenhausseite beweisen muss, dass der festgestellte Hygienemangel nicht ursächlich für den Schaden war.
Der BGH hat zuletzt in 2008 (VersR 08, 490) entschieden, dass dann, wenn ein Hygienefehler (= grober Behandlungsfehler) feststeht, der Arzt beweisen muss, dass die Beschwerden des Patienten nicht auf diesen zurückzuführen ist.

Es sollte in jedem Fall ein Hygieneplan vorhanden sein. Eine erfolgte Hautdesinfektion ist zu dokumentieren. Ein Verweis auf den Hygieneplan, sofern tatsächlich vorhanden, reicht insoweit aus.

In Deutschland kommt es jährlich zu etwa 132.000 Neuinfektionen allein mit dem MRSA (vgl. Deutsches Ärzteblatt v. 11.11. 2011), wobei es Stimmen gibt, die von weitaus höheren Zahlen (750.000 bis 1,2 Mio) ausgehen, und das obwohl neueren Untersuchungen zufolge 100% der Fälle vermieden werden könnten.

Diese Keime sind gegen alle gängigen Antibiotika resistent.

Wie kommt es zu einer Infektion mit dem Staphylococcus aureus ?

30-40% der Bevölkerung sind mit dem Staphylococcus aureus besiedelt, überwiegend im Nasen- und Rachenraum. Im Alltag sind diese Bakterien harmlos.
Wenn das Bakterium jedoch über eine Wunde unter die Haut gelangt, kann eine eiternde Hautwunde entstehen, die insbesondere bei immungeschwächten Menschen zu Blutvergiftung und Lungenentzündung führen kann.
Der geriatrische Patient wird zunehmend MRSA-Überträger und Risikopatient.

Patienten mit einer zuvor erfolgten Antibiotikatherapie und solche, die aus anderen Krankenhäusern und Pflegeheimen kommen (Transfer) oder solche, die eine große, offene Wunde haben, und gegebenenfalls solche, die in der Landwirtschaft mit Tieren zu tun haben, sollten einem MRSA-Screening unterzogen werden.

Eine Studie in den Niederlanden hat gezeigt, dass 20% der MRSA-Erkrankten Tierkontakte vorwiegend im landwirtschaftlichen, aber auch im häuslichen Bereich hatten, dennoch wird diese Frage bei der Anamnese nicht gestellt.

In den Niederlanden wird bei Risikopatienten (Schwerkranke, Dialysepatienten) zu denen auch Personen, die aus einer deutschen Klinik kommen, gehören, ein MRSA-Abstrich gemacht und diese Patienten bis zu dem Ergebnis isoliert. Außerdem gibt es dort in jeder einer Klinik einen Hygienefachmann und Mikrobiologen, die den Ärzten beratend zu Seite stehen.

In Deutschland gibt es zwar ähnliche Richtlinien, deren Einhaltung  jedoch offensichtlich nicht kontrolliert wird. Nur in einigen Ländern gibt es überhaupt Hygieneverordnungen.

An der Uni-Klinik Münster hat es sich inzwischen durchgesetzt, dass die Patienten wie in den Niederlanden auf MRSA getestet werden und die Keime, falls vorhanden, mit einer Salbe von der Haut entfernt werden.

Ein neues Infektionsschutzgesetz ist auf dem Weg, verspricht aber angesichts leerer Kassen nicht die erwünschten Maßnahmen.